3.9.2010
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Noch keinen neuen Cube
 
Kürzungen bei der Jugend, Mehrausgaben für Titel
 
Viele Chemnitzer Jugendliche haben jetzt wieder einmal einen ihrer Lieblings-Clubs verloren. „Es war immer toll im Cube“, erinnert sich Stefanie. Auch Steffi, Benno und Andi waren dort gern zu Gast. „Manchmal legten sogar die DJ´s von Phlatline auf, die bei Splash immer dabei waren. Oder es gab Drum & Bass.“ Offensichtlich hatte sich der ehemalige Post-Speisewürfel zu einem angesagten Treffpunkt entwickelt, der sich ohne viel Förderung selbst trug, nur durch die Begeisterung der jungen Gäste. Doch nun ist endgültig Schluss. Denn der Mietvertrag wurde gekündigt und die Abrissbirne könnte vielleicht bald ihre Arbeit aufnehmen. Denn an diesem Platz soll einmal das „Chemnitzer Modell“ verkehren. Wann genau, das ist noch unklar. Im Hauptbahnhof laufen die Arbeiten erst an und es wird sicher noch einige Zeit ins Land gehen, bis die Citybahn wirklich von Stollberg nach Hainichen durch den Hauptbahnhof fährt. Deshalb hatten die Cube-Leute auch versucht, das offizielle „Aus“ für ihren Club noch etwas hinaus zu schieben, aber es führte kein Weg daran vorbei.
Für einen Neuanfang mit einem neuen Cube fehlt den Betreibern von Yougend e.V. erst mal die Kraft. „Der Cube war eine aufregende Zeit. Aber wir brauchen Zeit zum Nachdenken. Wir wollen nichts überstürzen“, erklärte Marcus Neißer. So gebe es für Spekulationen um eine Nutzung der Markthalle bzw. anderer Lokationen absolut keinen aktuellen Anlass.
Für den Cube ist das Ende besiegelt. Für andere Chemnitzer Jugendeinrichtungen, die auch vom „Aus“ bedroht sind, besteht immerhin noch etwas Hoffung. Denn die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses stimmten zwar einer Kürzung des Budgets für die Jugendarbeit zu. Aber sie forderten den Stadtrat zugleich auf, über vier Projekte noch einmal nachzudenken und nach Geld dafür zu suchen. Dazu gehören u.a. der AWO-Jugendtreff Focus, das Ferienlager „Die Verreiser“ der Kindervereinigung sowie das Jugendmedienzentrum „Bumerang“. Ge­schlossen wird auf jeden Fall das Kinder- und Jugendhaus Benario am Brühl. Gekürzt wird beim AJZ und Armen Theater. „Wie das Arme Theater in der Schönherrfabrik das stemmen soll, kann ich mir schwer vorstellen“, bedauerte Karen Pethke vom Chemnitzer Netzwerk für Kultur- und Ju­gendarbeit e.V. „Ich habe gehört, dass sie selbst meinen, dass sie wahrscheinlich nicht weiter machen können.“ Insgesamt werden in Chemnitz 88 Projekte der freien Jugendarbeit mit rund 7,4 Millionen Euro gefördert. Auf der Streichliste stehen rund 537.000 Euro.
Das ist etwa die gleiche Summe, über die sich die Chemnitzer FDP beim Wettbewerb um den Titel „Stadt der Wissenschaften“ wundert. Wolfgang Lesch, Stadtrat und stellvertretender FDP- Kreisvorsitzender: „Als wir den Grundsatzbeschluss zur Teilnahme am Wettbewerb unsere Zu­stim­mungen ga­ben, haben wir auch die Kosten betrachtet.“ In der Vorlage standen Ausgaben für die Konzepterstellung in Höhe von etwa 50.000 Euro so­wie etwa 500.000 Euro Eigenmittel für die Durchführung im Veranstaltungsjahr, also für 2011. In der Be­schlussvorlage zur Haushaltssatzung für 2010, entdeckte die FDP aber Gesamtausgaben in Höhe von 1.500.000 Euro. Allein in diesem Jahr will die Stadt schon knapp 500.000 Euro für die Beteiligung am Wettbewerb ausgeben. Sponsoren könnten möglicherweise 300.000 Euro fi­nan­zieren, offen bleiben aber 200.000 Euro. „Es ist es für mich nicht vermittelbar, auf der einen Seite massive Kürzungen im Ju­gendbereich vorzunehmen und auf der anderen Seite für Werbeideen und Titel Gelder in Größenordnungen zu verplanen.“
 
Von Brigitte Pfüller
 
 
 
   
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